Splash 2012 wie es wirklich war – Teil 1

Vorwort :
Dieser Text soll bitte als Parodie meiner selbst empfunden werden, er entspricht NICHT im vollem Umfang einer realitätsnahen Darstellung meiner Person und könnte unter Umständen überspitzt, unappetitlich und äußerst sarkastisch erscheinen. Also auf Deutsch heißt das lieber Leser, es wird nicht alles so heiß gekocht wie es gegessen werden sollte ;)

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Also wären wir geflogen,hätte ich die Kohle fürs Übergepäck
sicher bis zum Splash 2013 beisammen gehabt….

Donnerstag 05.07.12, Vechta

Die Abfahrt

Um Punkt 14 Uhr karrten alle 37 Gäste unseres Buses mit Sack und Pack am Vechteraner ZOB heran und zu unserem Erstaunen ( Sara und meine Wenigkeit) hielt sich das Ausmaß unseres Gepäcks, in Relation zu den anderen gesehen, echt noch in Maßen.
Als dann ein paar Selbstverpfleger anfingen ganze Bierpaletten und Fresskisten per Sackkarre in den Laderaum zu hiefen, fragte ich mich, ob ich wohl mit meinem Vorrat an Süßkrams um die Runden kommen würde und ob ich nicht ganz so geizig hätte sein sollen, was Regenschirm, Kopfkissen und Konserven anging.
Zu spät, kaum Mutti nochmal durchgeknuddelt und zum x-ten mal beschwört auf mich aufzupassen, saßen wir schon im Bus Richtung Osten.

Gefühlte 278,5 Pinkelpausen später verließen wir die BRD.
( politisch unkorrekt ausgedrückt oder ?). Als hätten die grimmig und düster grauen Fassaden der Stadt nicht gereicht, fing es an aus Eimern zu gießen. Immerhin lenkte mich dieser Zustand einer drohenden Naturkatastrophe von meiner Entnervtheit ab und ich lernte ein paar neue, mittelprächtige Ostblockwitze.( Sechs Stunden sind gerade noch zumutbar lang, zwischen amateur-Beatboxern und Menschen, die leere Bierdosen als Schlagzeug für sich entdecken und kontinuierlich auf einen Takt hinarbeiten.) Ich hoffte die Fahrt würde noch ewig dauern, sodass wenigstens nicht anTag 1 schon mein, mit Sorgfalt und Hingabe gepacktes, Hab und Gut dran glauben müsste. Nach ein paar Metern weiter und ein paar Eindrücken mehr aus der Umgebung, betete ich für ausreichend Sprit und das wir heile ankommen würden. Würde ich nicht so auf Wikipedia vertrauen, ich könnte schwören : the Hills have Eyes wurde im Osten gedreht !
Ich sah es schon kommen, Reifenpanne – Zombies – Prinz Pi am Sonntag ohne mich.

Die Ankunft
Der Herr erhörte mich ! Kaum das erste “ Ferropolis “ Ortsschild entdeckt, zogen die Wolken weg und ich wuppte fast schon apathisch auf meinem Sitz rum und glotzte wie doof aus dem Fenster und hielt Ausschau nach Zelten – und Zombies. Als wir tatsächlich den Shuttleplatz erreichten, plumpste ich schon mit Kippe bewaffnet aus dem Bus und fing an mein Gepäck fein säuberlich zu türmen. Als die erste Tasche im Matsch landete, hatte ich schon keine Lust mehr und wollte am liebsten wieder in den Bus Richtung Heimat – ich nenne das Etappentrotz – der aber nach ein paar Marlboros in der Regel verfliegt oder spätestens wenn ich bemerke, dass andere meine verschränkten Arme und meinen rotzigen Umgangston sehr wohl wahrnehmen….

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Solide, bodenständig und authentisch. Realer wäre nur im stehen schlafen.

Philosophie des Zeltens

Hatte ich erwähnt, dass ich und Zelten nicht so die derben Homies sind ?
Nennt mich verwöhnt und etepetete aber es gibt weiß Gott angenehmeres als siffig in einer Plastikbehausung zu wohnen, die entweder arschkalt oder scheiße heiß ist. Ich mag es, wenn ich beim Schlafen nicht von Kriechtieren umgeben bin und ich finde Isolierung und Wärmedämmung sind einer der ungeadelten Erfindung unserer Neuzeit. Sich morgens zu fragen, ob’s so feucht und klamm ist oder ob man tatsächlich mal eben 3 Liter Flüssigkeit ins Zelt geschwitzt hat, gehört nicht in meine Top 5, in Sachen Zeitvertreib. Allein schon in dem Ding nicht stehen können ist mein Handicap. Deswegen hatten unsere Zeltnachbarn auch Tag für Tag die volle Bandbreite meiner Rückansicht zu sehen, weil ich ungelogen im Liegen meine Hose nicht hochgezogen kriege und via “ sehen mich eh nie wider – hoffentlich „-Touristentaktik schamlos den Flodders alle Ehre machte, um irgendwie in meine tropisch feuchte Buchse zu kommen.

Wo waren wir stehen geblieben ? Bus … Fahrt … Ankunft
Stand der Dinge, völlige Orientierungslosigkeit und ca. 100 Kilo Gepäck plus ne bockige Lena. Ein bemerkenswert großer Haufen Elend war das.
Dem Himmel sei Dank, half Campingengel Daeywid uns, unseren Mist vom Parkplatz auf den Campingplatz zu verlagern und sorgte gleichzeitig dafür, dass wir die kommenden Tage nicht mit den vertrauten Gesichtern der Heimat zelten sollten, sondern mit einer bunten Mischung aus Dortmundern und Saarländern – warum wir heute immer noch akzentfreies Hochdeutsch sprechen, ist ein ungeklärtes Mysterium.

Einrichten auf dem Zeltplatz und erste Luxusprobleme

Da stand es vor uns. Unser Zelt.
Das Aufbauen erwies sich als 749364 mal leichter als gedacht – das Ergebnis als 6294629 mal schlechter.Was zum ?! Jeps, n’Meter hoch und gefühlte 1,50 breit. In unseren Gesichtern spiegelt sich der blanke Horror und es fand ein reger Prozess des Gedankenaustauschs statt. “ Neues kaufen ? Neues klauen ?! Nach Hause ? Scheiße man ?! „.
Wir blieben – genauso wie das Zelt. Die Stimmung war so … Wie auf der eigenen Erstkommunion. Lächle ! Du musst glücklich aussehen verdammte Scheiße ! Bloß nicht anmerken lassen, dass ich innerlich doch ein kleines verzogenes Gör bin, dass sich die Nächte, voller Sehnsucht nach Zivilisation, in den Schlaf heulen würde.

Horrorfahrt im Shuttlebus

Die eher spärliche Lage unserer Unterkunft mit Zigaretten besänftigt, sollte es nun zur Inspektion des Festivalgeländes via Shuttlebus gehen.
Das Ding war randvoll. Richtig voll, keiner kann sich bewegen voll. Die Scheiben wurden milchig durch den Dunst der tausend atmenden Münder. Ich merkte wie der Sauerstoff knapp wurde. Es würde gleich vorüber sein, sagte ich mir innerlich und kniff mir etwas zu grob in den Unterarm. Sowas hatte ich echt noch nie erlebt. Ich japste nach Luft, aber irgendwie war es wie ein Vakuum in meiner Lunge. Scheiße verdammte, ich wurde panisch und verfluchte meine erste, schlecht gedrehte Zigarette meines Lebens und bereute jede, die darauf gefolgt hatte.
Ich kriege keine Luft !!! Der Satz platzte aus mir raus und ich muss wohl blass wie ne Badezimmerfliese gewesen sein. Alle um mich rum hatten irgendwie so gar nicht mit der Atmung zu kämpfen, was mich nur noch panischer werden ließ. Manche schauten mich irritiert an, während ich schon dachte kurz vorm Erstickungstod zu stehen. Es waren sicher nur ein paar Minuten, vielleicht nicht mal das, aber als der Bus nach gefühlten Stunden hielt und ich endlich im Freien taumelnd meinen Sauerstoff bekam, hatte ich unbemerkt ziemlich feuchte Augen vor Erleichterung und dem letzten Rest Angst. Die darauffolgenden 2 Tage gingen wir das Stück zufuß. Ich bin eine Memme, ich weiß.

Schnippisch über die süßen “ Cro-Groupies “ zu lästern und die doch sehr imposante Anlage auf mich wirken zu lassen, ließ mich runterkommen. Wir zählten die hässlichen Beanie Mützen auf Hipsterköpfen, checkten die Imbissbuden ab, redeten uns unser Zelt schön und bekamen live und direkt mit, wie das erste Hanfopfer mit Blaulicht und Sirene abtransportiert wurde. Weder die Mützen noch der Konsum, von eigentlich illegalen, Substanzen wurde über die Tage weniger.
Da wir uns Cro und dessen Gefolgschaft so kaputt geredet hatten, empfanden wir es als paradox auch nur annähernd den Bühnenbereich zu betreten und saßen, als einer der wenigen “ Underdogs “ , fernab des Rummels.

Die erste Nacht im Freien

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Zurück im Lager angekommen, konnten wir uns noch eine zeitlang durch etwas Plausch mit unseren neuen Gefährten, unter deren Pavillon, von unserer Schlafstätte ablenken. Doch irgendwann führen alle Wege ins Bett und ich legte mich nieder – um bis 6 Uhr morgens wach zu liegen. Die Nachbarn von gegenüber hatten ihren , doch ziemlich pompösen, Pavillon mit einer Musikanlage ausgestattet, mit deren Wucht man auch eine Loveparade veranstalten hätte können. Der Bass ließ unser Zelt geradezu vibrieren und als jemand meinte im Wechsel Techno und Rammstein aufzulegen, bekam ich Zustände.
Ich fing an, alles an Kissen und Klamotten im näheren Umkreis auf meinem Kopf zu stapeln und als das auch nichts half, musste Trick 17 her. Während ich Sara um ihren unerschütterlichen Schlaf beneidete und sie missgünstig am liebsten geweckt hätte, stopfte ich meine geschundenen Gehörgänge mit angelullerten Taschentuchfetzen zu, um dann vor Erschöpfung irgendwann einzunicken. Nach ca. 3 Stunden war der Spaß schon vorbei, da die Morgensonne das Zelt in ein Solarium Güteklasse Megapower verwandelte und neben der Hitze noch tierische Kopfschmerzen hinzukamen. Als wäre das nicht schon Zeltromantik pur genug, erreichte der Morgen seine volle Blüte, nachdem jemand meinte, per Megafon seine scheiß gute Laune zu verbreiten. Wie ein Zombie taumelte ich aus unserer Behausung und lauschte gezwungenermaßen den Klängen von “ Du Hurensohn „, während im Hintergrund immer noch MC Megaphon die Runde machte. Unterstrichen wurde das Szenario durch den bestialischen Gestank des Kotzeflecks, den jemand liebevoll direkt neben unserem Zelt geparkt hatte. Ich erkannte das Angebot diverser Fressbuden wieder und konnte meinen Blick erst abwenden, als ich die vielen kleinen Stücke als Erdnüsse identifiziert hatte und fast einen Kotzfleck daneben gesetzt hätte.
Getoppt wurde das alles nur noch, durch den Besuch eines vollgeschissenen Dixie-Klos, dass durch die direkte Sonneneinstrahlung sogar noch bessere Laune verbreitete, als es das Gegröle des Megaphons tat.

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Schmeckt auch ohne Grill !

Gewissheit macht sich breit

Immerhin beantworteten sich mir durch diese Begebenheiten viele offene Fragen. Vor allem warum 90% der Festivalbesucher nie nie nie niemals ihren Pavillon verlassen und sich ununterbrochen ihre Johnnys reinziehen, als wäre es nur Eis am Stiel.
Ich kann es ihnen nicht verübeln ! Nachdem ich mir also klarmachen musste, dass ich im Gegensatz zu den vorbereiteten und festivalerprobten Mitmenschen, alles bei vollem Bewusstsein erleben würde, kalkulierte ich grob durch, ob eine komplett flüssige Nahrungszufuhr mich in den kommenden Tagen vor einem längeren Aufenthalt in einem Dixie-Klo bewahren würde.
Meine Berechnungen mussten eingestellt werden – die Partybrüder von gegenüber hatten ihre Anlage wieder zum laufen gebracht und eröffneten grölend und oberkörperfrei die Grillsaison. Fazit ? Wäre ich olle Spaßbremse doch bloß auf der Busfahrt verreckt !

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