Die allerwahrste Wahrheit über das Splash – und andere, interessante Vorkommnisse

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Diese vermeintliche Idylle am Eingangsbereich des Campingplatzes, dient lediglich dazu kritische Eltern von einem zumutbaren Maß an Harmlosigkeit zu überzeugen und fungiert ausserhalb des Festivals nur als Postkartenmotiv. Der großzügig angelegte Wald absorbiert zudem freie Radikale aus Dixieklos und Haschpfeifen, während der formschöne See voraussichtlich auch die nächsten 15 Jahre Splash, ausgediente Zelte und Bekanntschaften sicher und für alle Ewigkeiten von der Bildfläche verschwinden lassen wird.
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In Ferropolis ist man noch naturverbunden und lässt die Natur hautnah an der Industrialisierung teilhaben. Wer hier den Müll trennt, gilt als sittenloser Kulturbanause und stört das Gesamtbild. Damit das nicht sooft vorkommt, verteilen manche Bewohner ehrenamtlich & unentgeltlich Exkremente, sowie Dekoartikel, zu denen sich besonders bunte Bierdosen und formschöne Tetrapaks zählen.

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Um den Emissionsausstoß gering zu halten, benutzen besonders gewitzte Splashbesucher sog. “ Karren „, die nur einmalig mit einem Euro getankt werden müssen. Besonders der führenden Hersteller “ Rewe “ und sowie auch der, besonders bei weiblichen Besuchern beliebte, “ Penny “ Karren, erfreut sich größter Beliebtheit und gilt als unzerstörbar.

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Mit bunten Bannern und lustigen Sprüchen markieren die Besucher ihr Revier. “ hoe “ ist zum Beispiel die getunte und coolere Version von “ home “ mit der gekennzeichnet wird, dass sich Freunde bei der eigenen Freundin wie Zuhause fühlen können. Eine “ hoe “ beherbergt und versorgt somit mehrere männliche Besucher parallel , weswegen der Männeranteil auf dem Splash immer über dem der Frauen liegt. Um dieses Konzept noch einfacher zu gestalten, hat man sich darauf geeinigt, das alle „hoe’s“ mit Helga angesprochen werden können.

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Wie auch in anderen Kulturkreisen üblich, gibt es bestimmte Werte und Normen auf dem Splash. Besonders wichtig sind Tischmanieren, die man beherzigen sollte. Die oberste Regel besagt “ teile wie auch du gerne teilgehabt haben würdest „. Das klingt sehr kompliziert, anspruchsvoll und lässt grammatikalisch Wünsche offen, ist aber leicht zu erklären.

Lektion 1. Wie man eigenes Bier teilt.
Du bist stolzer Besitzer von kaltem Bier ? Das bedeutet alle oder keiner. Auch wenn jemand keines möchte und du es eigentlich behalten willst – alle oder keiner, niemand mag Egotrips okey ?! Du hast warmes oder abgestandenes Bier ? Es anzubieten wäre eine Beleidigung, denn warmes Bier schmeckt wie Pisse und davon haben wir ja genug. Warte dass mit dem Sinken der Temperatur, der Wert des Bieres wieder steigt.

Lektion 2. Wie man fremdes Bier teilt.

Angebotenes Bier ist heiliges Bier. Wenn du es abdankst, aus welchen Gründen auch immer, symbolisiert das Desinteresse an der Gemeinschaft und stellt dich als undankbaren Pascha da. Die Leitformel besagt, dass es immer besser ist für das Gemeinwohl zu erbrechen, als für das eigene Wohl abzudanken. Auch trockene Alkoholiker, Schwangere und vor allem Minderjährige sind nicht von dieser Regelung ausgeschlossen ! Niemand mag Eistee-trinkende Biermuffel kapische ?!

Lektion 3. Wie man überteuertes, erlabendes, vor Ort frisch gezapftes Bier teilt.

Gar nicht.

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Auch sehr wichtig und zu befolgen ist die “ Nachtruhe „. Die Nachtruhe ist nicht gleichwertig mit der Nachtruhe im üblichen, deutschen Sprachraum. Leider wird immer noch der Begriff Nachtruhe anstatt Nachtrufe benutzt. Die sog. Nachtrufe dienen dazu, dass keine Stille aufkommt. Viele haben nämlich vor Stille Angst, weswegen jeder einzelne dazu aufgefordert ist, Krach zu machen. Und wo Krach ist, wird nicht geschlafen, wo nicht geschlafen wird, muss auch keiner Angst haben. Wenn alle wach sind, garantiert das ultimative Kontrolle und Aufmerksamkeit. Anfänger brüllen meistens die Namen ihrer Freunde in die Nacht, um zu symbolisieren “ ich bin nicht alleine hier, ihr Monster und Diebe ! „. Fortgeschrittene nehmen sich meistens Megaphone und/oder Chinaböller zur akustischen Absicherung ihres Revieres zur Hilfe.

(Man geht davon aus, dass 2/3 der Zeltbrände absichtlich durch Chinaböller des unmittelbaren Nachbarzeltes ausgelöst wurden. Denn laut Berechnungen heißt es, sind zwei unmittelbar nebeneinander brennende Zelte so unwahrscheinlich, dass manch einer versucht diesen Effekt zu erzwingen und lieber den Nachbarn anzündet, um so laut Berechnung gar nicht brennen zu können. Außerdem kommen zum Löschen ja extra Platzwärter und die Feuerwehr und wenn die da sind, ist man doppelt sicher und alle haben was davon !)

Die absoluten Nachtrufe Profis denken einfach an alles ! Sie reißen Klotüren aus den Angeln, damit man schneller auf sich aufmerksam machen kann, falls auf’m Pott was passiert. Sie halten mit ihren Anlagen ganze Landstriche wach und als hätten sie nichts besseres zu tun, treten sie gezielt gegen Zelte um sicherzustellen, dass wirklich niemand auf die Idee kommt zur Ruhe zu kommen und somit sich und alle anderen gefährdet. Manchmal opfern die Profis auch Schlafsäcke, Schmusedecken und Szenezeitschriften auf einem Scheiterhaufen, damit keiner frieren muss oder wenn jemand Licht zum lesen braucht. ( das sind übrigens die restlichen 1/3 der Brände).

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Lange Zeit umstritten und als Metrosexualität abgestempelt, war das diesjährige Hygieneverhalten der männlichen Besucher auf diesem Festival. Unschwer anhand des Beweismaterials zu erkennen, geht der Trend in Richtung “ schwiegersohntauglich “ und erfreute sich vor allem großer Beliebtheit bei den anwesenden Girlies. Und ja, bei den Hoe’s sowieso.
Es wurde rasiert, frisiert, herausgeputzt und manchmal wurde sogar der ein oder andere Euro in eine Dusche investiert. Kenner der Szene schaffen den Spagat zwischen maskuliner Attitüde und angepasster Boygroupmanie, indem sie Kompromisse schaffen. Es muss ein ausgeglichener Wechsel her ! Wer sich mit Sonnenmilch präpariert, darf eingerissene Nägel nicht professionell abknipsen, höchstens abkauen ! Wer Haarspray benutzt, muss sich den Plaque von den Zähnen mit Rum „runtergurgeln“ und die Zahnbürste ist tabu. Wer tatsächlich Deo an Bord hat, muss damit mindestens einmal Flammenwerfer spielen, darf bei Verbrennungen nicht rummucken und Aspirin gibt’s allerhöchstens erst in der Nacht von Sonntag auf Montag !

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Eines darf mit Sicherheit auf keinem Festival fehlen – der Körperschmuck.
Als Liebhaber von bunten Bildchen, für alle Ewigkeit in die Haut gemeißelt, fühlte ich mich doch direkt wohl. Manch ein Werk hat es mir sosehr angetan, dass ich schon Übung bekam Leute dumm von der Seite anzuquatschen, um ein paar Erinnerungsfotos zu machen. Wo sonst fällt einem der Satz “ alter, kann ich ma deine Scheiße fotografieren ? “ so leicht ? Auf jeden Fall eines meiner besten Stücke in der Rubrik „Heftig, das ist echt ! „. Auch recht unterhaltsam war das allover Tattoo, dass bei jeder Tag- und Nachtzeit und jeder Witterung zu sehen war. Auf Nachfrage meinerseits, wurde mir dann erklärt, dass angezogen die Chancen bei den Ladys schwinden und der gute Herr für den perfekten Auftritt weder Sonnenbrand noch Nierenentzündung scheut. Schön, dass auch mal die Herren der Schöpfung, der Optik wegen, für das andere Geschlecht leiden ;)

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Der inoffizielle Splash-Flohmarkt war mein absolutes Highlight ! Voller Elan versuchte der junge Mann auch noch den letzten Rest seiner Campingausrüstung zu verscherbeln und scheute keine müde Miene, um nicht sämtlichen Homeshopping Kanälen die Show zu stehlen. Anstatt das Zeug standesgemäß und bei Nacht und Nebel auf die umliegenden Zeltnachbarn zu verscharren oder einfach niederzubrennen, zeigte er der Konsumgesellschaft den Mittelfinger und ich betone nochmals, hätte ich noch Platz und Verwendung für einen komplett geschrotteten CD-Player gehabt – ich hätte das Teil hoch erhobenen Hauptes als Meistbietender nach Hause geschleppt !

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