CD Review: Prinz Pi – Rebell ohne Grund

    Heute darf ich euch mit meiner ersten CD Review beglücken.
    Das gute Stück heißt “ Rebell ohne Grund “ vom besten Sprechgesangskünstler Prinz Pi aus Berlin. Das Album wurde im März diesen Jahres released und war ein Geschenk von Philipp – ja der gute Herr weiß das man Frauenherzen nicht mehr mit Pralinen und Douglas Gutscheinen gewinnt ;)

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    Trackliste :

    01. Bombenwetter
    02. Der neue iGod
    03. Du bist
    04. Virus
    05. Generation Porno
    06. Krieg @ Home (feat. E-Rich & Chefkoch)
    07. ✝✝✝ für Deutschland
    08. Etc.
    09. Schlaflied
    10. Wunderkind
    11. Marathon Mann
    12. Eifer & Sucht
    13. Wieder und wieder
    14. Königin von Kreuzberg
    15. Rand II (feat. Frauenarzt & Timi Hendrix)
    16. Morgengrauen (feat. Mudi & Raf Camora)
    17. Laura
    18. Beweis dagegen

    Erster Eindruck

    Der werte Herr Pi scheint noch erwachsener oder sagen wir “ neukluger “ geworden zu sein. Auch wenn das Intro vor Bombenwetter mit viel “ yeah oh aha “ einläutet ist das Album an sich eine weitere, künstlerische Messlatte für den deutschen Hip Hop – textlich und auch musikalisch gesehen bewegen wir uns auf höchsten Niveau. Die einst vom Berliner Alltagseben irgendwo zwischen Friedrichstraße und Bahnhofzoo geprägten Texte mussten noch viel biographischeren Texten weichen und Erfahrungen mit Frauen, Eifersucht, Krieg, Drogen, das erwachsen sein an sich, Politik und selbst der Tod finden auf klasse abgemischten Beats und fantastisch inszenierten Texten einen Platz. Der Sound an sich wurde teils rauer teils weicher und erinnert nur noch entfernt an alte Beatfabrikzeiten und ergänzt sich wie aus einem Guss mit den Vorgängern “ Teenage Mutant Horror Show 1+2 „. Die einzelnen Songs bestechen mit einem Facettenreichtum und einer Wandelbarkeit die man nur selten auf einer einzigen Platte gepresst bekommt. Langweile beim Hören wird nur den Tauben unter uns ein Makel sein. Irgendwo zwischen Gesellschaftskritik und eigener Traumatabewältigung pendelt sich das Gesamtkonzept ein und ich nehme mir das Recht einfach zu behaupten Prinz Pi hat das neue Testament der Rapmusik geschrieben und es ist für jeden bei Amazoon und co. erschwinglich.

    Highlights :

    Du bist “ war die erste Auskopplung des Albums – zurecht wie ich ich festellen musste. Das grobe Intro und der neuartige Beat mit einer ganz neuen Interpretation von einem Flow musste ich erstmal sacken lassen. Zwar wusste ich, dass bei Friedrich Kautz, so sein realer Name, mit allem zu rechnen sei, jedoch wurde jegliche Vorahnung zerschmettert – zum Glück. “ Du bist “ ist ein lyrisches Meisterstück, dass mit extrem durchdachten Lyrics und einer Menge sprachlicher Mittel eine Atmosphäre schafft, die ich bisher noch nie durch vorspulen oder abschalten zu unterbrechen vermochte. Die Einzigartigkeit des Künstlers und seiner Texte wird durch den Song voll zu Ausdruck gebracht und dieser Track darf gerne als “ Neuinterpretation lyrischer Dichterkunst “ geadelt werden.

    Neben den „Prollo/Partytracks“ wie „Bombenwetter“ oder „Rand II“ befinden sich teils Tracks die einem Gänsehaut einjagen und mich heute noch gelegentlich zu Tränen rühren – wie ich hier jetzt mal ungeniert oute.

    In “ Laura “ wird auf wirklich eindringliche Weise der Suizid seiner ehemaligen Freundin geschildert, deren Geschichte sich bis zum Ende des Songs ins fast Unerträgliche steigert und selbst Hartgesottene und Desinteressierte verstummen lässt.

    Schlaflied “ ist eine Anekdote an seine Tochter die er nach der Trennung der Mutter nur kaum zu Gesicht bekommt, es scheint ein in Worte und Beats gefasster offener Brief zu sein, der gleichzeitig so kindlich naiv in der Hook beschreibt und ebenso erwachsen einen Schmerz zum Audruck bringt, den wohl nur Gleichgesinnte wirklich authentisch nachempfinden können.

    Eifer & Sucht “ beschäftigt sich, wie der Titel schon verrrät, mit Vorwürfen, Unterstellungen und Konsequenzen dieser in einer Partnerschaft, hierbei wird das Geschehen in jeder Strophe aufs neue als Revue serviert und Parallelen für jeden beherbergt der jemals geliebt und gelitten hat.

    Beweis dagegen„, wohlgemerkt der letzte Track, rechnet mit der deutschen HipHop Szene ab und diverse Künstler werden namentlich genannt, was das ganze so authentisch macht und endlich mal einen Standpunkt eines Künstlers bietet der sich nicht hinter diversen Punchlines und Geprolle versteckt. In diesem Sinne rezitiere ich : Früher kam Rap vom Plattenteller, heute aus dem Plattenbau „.


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    Fazit: Ein neues und extrem gut inszeniertes Album das kein Thema unbehelligt und kein Auge trocken lässt. Vielfältigkeit, Kreativität und intellektuell angehauchte Songs versprechen auch Hörern, die der Hiphop-Szene nicht verschrien sind, einen musikalischen Ohrenschmaus. Selbst meine Mutter ( am liebsten Michael Jackson,Adele oder Bochelli ) hört im Auto die Platte rauf und runter und dreht bei “ Bomenwetter voll auf. Zwar sind ,wie beim Rap üblich, die Texte weder besonders Jugendfrei noch Radiotauglich, jedoch denke ich jedem zumutbar. Wers nich probiert könnte der Gefahr laufen, eines der letzten kleinen Musikwunder der Neuzeit zu verpassen. Ich hoffe vielleicht dem ein oder anderem Interessenten Appetit gemacht zu haben – subjektive Wahrnehmung ist doch was Schönes ;)

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